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16.02.2018
07:50

Fahrzeugbeschädigung in Waschanlage

Betreiber haftet nicht bei nicht zu erkennendem Sensordefekt der Trocknungsvorrichtung

 

Schaden trotz Einhaltung der gebotenen Sorgfalt als unvermeidbar

Das Gericht betonte zunächst, dass grundsätzlich eine Haftung des Betreibers einer Waschanlage bestehe, wenn es um Schäden an Kraftfahrzeugen geht, die während des Waschanlagenbetriebs entstehen. Insbesondere gelte in solchen Fällen die Vermutung, dass die Beschädigung ihren Grund im Organisations- und Gefahrenbereich des Waschanlagenbetreibers hat. Dies gelte jedoch nur unter der Einschränkung, dass sich der Fahrzeugführer ordnungsgemäß und den Gegebenheiten des Waschvorgangs entsprechend verhalten hat und ein Fahrzeugdefekt auszuschließen sei. Im vorliegenden Fall sei es dem Waschanlagenbetreiber jedoch gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass der Fahrzeugschaden auch bei Beachtung der pflichtgemäßen Sorgfalt unvermeidbar gewesen ist. Ursache für die Entstehung des Schadens am Fahrzeug war ein Defekt am Sensor der Trocknungsvorrichtung. Auch seitens des klagenden Autofahrers war nicht angeführt worden, dass der beklagte Betreiber der Waschanlage diesen Defekt hätte erkennen können. Vor dem Hintergrund, dass der Betreiber den Defekt nicht erkennen konnte, sei ihm letztlich auch kein Verschulden hinsichtlich der Fahrzeugbeschädigung anzulasten. Zwar übernehme der Betreiber der Anlage im Rahmen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Haftung für unmittelbare Schäden, die durch den Waschvorgang hervorgerufen werden. Nach allgemein geltenden Prinzipien des Vertragsrechts sei eine Haftung jedoch grundsätzlich ausschließlich für verschuldete Schäden anzunehmen.

Der Fahrzeughalter könne letztlich zwar nicht gegen den Betreiber, aber durchaus gegen den Hersteller der Anlage vorgehen und Ersatz des entstandenen Schadens verlangen.

Fahrzeugbeschädigungen durch Waschanlagen gehören wohl zu den seltener auftretenden Schadensfällen im Alltag. Doch falls es zu einer Beschädigung am Fahrzeug kommt, stellt sich Frage nach der Haftung. Lag ein Fehlverhalten des in die Waschanlage einfahrenden Autofahrers vor oder trifft den Betreiber der Anlage ein Verschulden?

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat einen Fall entschieden, in dem der Halter eines während des Waschvorgangs beschädigten Kraftfahrzeugs vom Waschanlagenbetreiber Ersatz des entstandenen Schadens verlangte (Az.: 11 U 43/17). Im Rahmen der Trocknung des Autos war es zu einer Kollision zwischen der hierzu eingesetzten balkenartigen Vorrichtung der Anlage und der Windschutzscheibe des Kfz gekommen. Hervorgerufen wurde die Kollision durch einen Defekt des Sensors, der dafür sorgt, dass sich die Trocknungsvorrichtung entlang der Fahrzeugoberfläche bewegt.

In erster Instanz hatte die Klage des Fahrzeughalters teilweise Erfolg, womit er einen Teil des begehrten Betrags als Schadensersatz fordern konnte. Der Betreiber der Waschanlage wehrte sich gegen das ergangene Urteil und legte Berufung ein. Diese hatte vor dem Oberlandesgericht Frankfurt Erfolg. Es erfolgte die Abweisung der Klage. Als Begründung führten die Richter an, dass seitens des beklagten Waschanlagenbetreibers keine schuldhafte Pflichtverletzung vorliege.

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06.02.2018
08:46

Unfall an Grundstücksausfahrt

Verkehrsbedeutung und zugrundeliegende örtliche Gegebenheiten maßgeblich für Unterscheidung von Grundstücksausfahrt und Einmündung einer Straße

Ein Beitrag von Rechtsanwältin Marina Golücke, Fachanwältin für Verkehrsrecht, und von Fabian Balz, studentische Hilfskraft.

 

Wer hat Vorfahrt? – Diese Frage stellt sich insbesondere an Stellen im Straßenverkehr, die auf den ersten Blick nicht genau als Einmündung einer Straße oder etwa als Grundstücksausfahrt eingeordnet werden können. Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass für die Beurteilung dieser Situation die sich objektiv ergebende Verkehrsbedeutung der entsprechenden Örtlichkeit maßgeblich sei. Hierbei seien die örtlichen Gegebenheiten heranzuziehen, um die maßgebliche Verkehrsbedeutung zu bestimmen.

 

Im konkreten Fall hatte sich am Ende einer Grundstücksausfahrt eine Kollision zwischen zwei Fahrzeugen ereignet. Die Unfallbeteiligten waren zuvor jeweils davon ausgegangen, gegenüber dem anderen zur Vorfahrt berechtigt zu sein. Der Kläger, der von der Beklagten Ersatz des entstandenen Schadens verlangt hatte, ging dabei davon aus, dass die beklagte Autofahrerin sich an einer Grundstücksausfahrt befinde, weshalb er Vorfahrt habe. Die Unfallbeteiligten gingen letztlich von zwei verschiedenen Straßentypen und somit von verschiedenen Vorfahrtberechtigungen aus.

 

Das Oberlandesgericht hat festgestellt, dass die beklagte Autofahrerin im Begriff war, eine Grundstücksausfahrt zu nutzen, um auf eine öffentliche Straße zu fahren. Sie habe sich dabei gemäß § 10 StVO (Straßenverkehrsordnung) so verhalten müssen, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Zudem habe der herannahende Autofahrer ihr gegenüber Vorfahrt gehabt. Die örtlichen Gegebenheiten, insbesondere die kurze Distanz zur unmittelbar angrenzenden Sporthalle sowie der Zweck der Ausfahrt, der ausschließlich in der Zugangsmöglichkeit zur Halle liegt, sprechen im vorliegenden Fall für die Einstufung der Örtlichkeit als Grundstücksausfahrt. Falls die beklagte Autofahrerin eine andere Einschätzung im Hinblick auf die geltenden Vorfahrtregeln vornimmt, die sich als falsch erweist, gehe dies zu ihren Lasten.

 

Die Richter betonten jedoch, dass dem Kläger ein Mitverschulden in Höhe von einem Drittel vorzuwerfen sei, da dieser vor dem Hintergrund der Abgrenzungsschwierigkeiten und unklaren verkehrsrechtlichen Situation vielmehr hätte in Betracht ziehen müssen, dass die beklagte Fahrerin die Vorfahrtsituation möglicherweise falsch beurteilt. Er hätte daher durch Aufnahme von Blickkontakt und entsprechende Anpassung seines Fahrverhaltens das Risiko eines Unfalls verringern müssen.

 

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23.01.2018
10:37

Überraschendes Bremsmanöver

Mitverschulden des Abbremsenden bei Auffahrunfall

Ein Beitrag von Rechtsanwältin Marina Golücke, Fachanwältin für Verkehrsrecht, und von Fabian Balz, studentische Hilfskraft.

Auffahrunfälle gehören wohl unumstritten zu den mit am häufigsten auftretenden Unfallbildern im Straßenverkehr. Im Hinblick auf die Verteilung der Haftung gelangt in solchen Fällen der sogenannte Anscheinsbeweis zur Anwendung. Dieser hat im deutschen Recht keine Umkehr der Beweislast, also der Pflicht, die im Raum stehenden Behauptungen darzulegen und zu beweisen, zur Folge, sondern stellt eine Beweiserleichterung dar. Diese beruht dabei auf bestimmten Erfahrungswerten, wie zum Beispiel der Erfahrung, dass Auffahrunfälle häufig durch ein Verschulden des Nachfahrenden, sei es in Form von zu geringem Abstand oder aufgrund sonstiger Unachtsamkeit verursacht werden. Der Anscheinsbeweis spricht also bei derartigen Unfällen zunächst einmal gegen den auffahrenden Fahrzeugführer.

Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg hat einen Fall entschieden, in dem es zu einem Auffahrunfall gekommen war (Az.: 1 U 60/17). Ein Autofahrer leitete ein Abbiegemanöver ein, nachdem er zunächst eine abrupte Abbremsung vorgenommen hatte. Den beiden Fahrzeugführern, die hinter ihm fuhren, gelang es noch, eine Bremsung einzuleiten und somit eine Kollision zu verhindern. Der an dritter Stelle fahrende Fahrzeugführer konnte hingegen nicht mehr rechtzeitig bremsen. Es kam  letztlich zu einer Kollision mit dem Wagen, der sich vor ihm befand. Nun ging es um die Frage, wer für den Unfall und den entstandenen Schaden zu haften hat.

Das Gericht ist der Ansicht, dass Unfall und Schaden im vorliegenden Fall nicht allein im Verantwortungsbereich des auffahrenden Fahrzeugführers liegen. Dem abrupt abbremsenden Autofahrer sei vielmehr ein Mitverschulden anzulasten. Auch wenn sich der Beweis des ersten Anscheins zunächst gegen den auffahrenden Fahrzeugführer richte, insbesondere, weil ein Autofahrer jederzeit damit rechnen müsse, dass der vor ihm Fahrende möglicherweise eine verkehrsbedingte abrupte Abbremsung einleitet, liege im vorliegenden Fall ein Mitverschulden des abbiegenden Fahrers vor. Vor Gericht wurde festgestellt, dass es sich bei der Bremsung um eine starke und völlig überraschende Vollbremsung gehandelt habe, in deren Anschluss der Autofahrer ohne Setzen des Blinkers abgebogen sei. Insbesondere der Umstand, dass der Fahrzeugführer die beschriebenen Fahrmanöver bewusst vornahm, um den ihm nachfahrenden Autofahrer in die Schranken zu weisen, nachdem dieser versucht hatte, ihn zu überholen, verdeutliche das verkehrswidrige Verhalten. Letztlich stelle die bewusst eingeleitete Abbremsung und das im Anschluss daran vorgenommen Abbiegen ohne Setzen des Blinkers ein Mitverschulden dar, welches vorliegend auf 1/3 zu beziffern sei.

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15.01.2018
09:33

Hinweisbeschluss des OLG Köln

Pflicht des VW-Händlers zur Rücknahme des Fahrzeugs bei fehlerhafter Abgas-Software

 

Fazit

Dem Käufer des Wagens kommen letztlich die Gewährleistungsrechte, insbesondere das Rücktrittsrecht gemäß §§ 437 Nr. 2, 440, 323, 326 Abs. 5 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) zu. Die Wirkungen des Rücktritts sind in § 346 BGB geregelt. Nach Abs. 1 sind im Falle des Rücktritts die empfangenen Leistungen zurückzugewähren und die gezogenen Nutzungen herauszugeben. Im konkreten Fall muss also der Autokäufer Ersatz der Nutzungen leisten, die er bereits durch den Gebrauch des Fahrzeugs gezogen hat, sowie das Fahrzeug zurückgeben. Den Verkäufer trifft die Pflicht, dem Käufer den gezahlten Kaufpreis zurückzuzahlen und das mangelhafte Fahrzeug zurückzunehmen. Der vorliegende Fall verdeutlicht wieder einmal, dass Käufer von Fahrzeugen, die vom Diesel-Abgas-Skandal betroffen sind, dem zuständigen Autohändler zunächst die Möglichkeit geben müssen, den Mangel zu beseitigen. Wird dieser Aufforderung nicht nachgekommen, kann der Autoerwerber die Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rücknahme des Wagens verlangen.

Der sogenannte „Diesel-Abgas-Skandal“ beschäftigt die deutsche Gerichtsbarkeit nach wie vor in besonders hohem Maße. Insbesondere die Frage, welche Gewährleistungsrechte dem Fahrzeugkäufer zustehen, liegt dabei im Fokus. Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hat in einem Hinweisbeschluss mitgeteilt, dass es in einem vorliegenden Verfahren dazu tendiert, die Berufung eines beklagten VW-Händlers, der in erster Instanz zur Rückzahlung des Kaufpreises und zur Rücknahme des Fahrzeugs verurteilt worden war, zurückzuweisen (Az.: 18 U 112/17).

Das von der Klägerin erworbene Auto war mit einem Motor ausgestattet, der mithilfe eines speziellen Programms bei Abgastests einen geringeren Schadstoffausstoß aufweist, als dies bei der Nutzung im Straßenverkehr tatsächlich der Fall ist. Die Fahrzeugkäuferin setzte dem VW-Händler eine Frist von zwei Wochen, in der dieser den vorhandenen Mangel beseitigen sollte. Da jener dieser Aufforderung nicht nachkam, erklärte die Erwerberin des Kraftfahrzeugs, dass sie vom Kaufvertrag zurücktrete. In erster Instanz hatte das Landgericht Aachen zugunsten der Fahrzeugkäuferin entschieden und geurteilt, dass der Händler verpflichtet sei, den gezahlten Kaufpreis sowie die Kosten für den Einbau eines Navigationsgeräts zu erstatten. Der beklagte Fahrzeughändler wehrte sich gegen dieses Urteil und legte Berufung ein.

Im Rahmen des Hinweisbeschlusses des in zweiter Instanz zuständigen Oberlandesgerichts Köln teilten die Richter mit, dass eine Begründetheit der vom Beklagten eingelegten Berufung zu verneinen sei und sie daher letztlich dazu tendieren, diese zurückzuweisen. Die Richter betonten, dass eine Verurteilung zur Rückzahlung des Kaufpreises zu Recht erfolgt sei und bestätigten somit das Urteil des Landgerichts. Das erworbene Auto habe einen Mangel in Form des eingebauten Emissionsprogramms aufgewiesen. Abgestellt wurde hierbei auf die Erwartungen eines vernünftigen durchschnittlichen Autokäufers. Als solcher könne man beim Kauf eines Autos annehmen, dass der Fahrzeughersteller die erforderlichen Zulassungsvoraussetzungen auf rechtmäßige Weise erfüllt hat. Im vorliegenden Fall weiche der tatsächliche Zustand des Wagens teilweise jedoch eindeutig von den berechtigten Erwartungen eines durchschnittlichen Kfz-Erwerbers ab. Ein vernünftiger durchschnittlicher Autokäufer müsse nicht mit einem Programm rechnen, das bewusst unterschiedliche Schadstoffwerte anzeigt, wenn es um die Durchführung von Zulassungstests im Vergleich zum normalen Gebrauch im Straßenverkehr geht. Zuletzt betonten die Richter, dass der Erwerber, der ein Navigationsgerät hat einbauen lassen, die Erstattung des Wertes verlangen könne, um den sich der Fahrzeugwert durch den Einbau des Geräts erhöht hat.

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05.01.2018
08:17

Kollision eines Pkw mit alkoholisiertem Fußgänger

Bei nicht erhöhter Betriebsgefahr überwiegt Verschulden des Fußgängers

 

Pflicht zum Ausweichen neben die Straße, sobald sich Fahrzeug nähert

Die Richter betonten jedoch, dass allein die Tatsache, dass es sich bei dem Unfall um ein für den Fahrer unvermeidbares Ereignis gehandelt hat, eine etwaige Haftung nicht entfallen lässt. Grund für den Haftungsausschluss der beklagten Autofahrer sei vielmehr, dass seitens des Fußgängers ein so gewichtiges Mitverschulden hinsichtlich der durch den Unfall erlittenen Verletzungen bestehe, dass ein etwaiges Verschulden der Kfz-Führer nach §§ 9 StVG, 254 BGB zurücktritt. Hiernach hängt, wenn bei der Schadensentstehung ein Verschulden des Beschädigten mitgewirkt hat, die Verpflichtung zum Schadensersatz sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist. Nach Ansicht des Gerichts habe der Fußgänger die Obliegenheit aus § 25 Abs. 1 StVO (Straßenverkehrsordnung) verletzt. Ein Fußgänger darf sich hiernach auf Landstraßen nur am linken Fahrbahnrand bewegen. Zudem treffe einen Passanten die Pflicht zum Ausweichen neben die Straße, sobald er bemerkt, dass sich ein Auto nähert.

Obliegenheit der Nichtteilnahme am Straßenverkehr bei alkoholbedingter Verkehrsuntüchtigkeit

Dem Fußgänger sei im vorliegenden Fall anzulasten, dass er die Obliegenheit, sich nicht im Straßenverkehr zu bewegen, falls er infolge Alkoholkonsums verkehrsuntüchtig ist, verletzt habe. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung sei eine auf Alkoholkonsum basierende Verkehrsuntüchtigkeit ab einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 2,0 Promille anzunehmen. Der sich auf der Landstraße bewegende Passant überschritt mit der bei ihm nachgewiesenen BAK von 2,07 Promille diesen Richtwert, weshalb ihm letztlich ein weiterer Obliegenheitsverstoß anzulasten sei.

Die Richter stellten fest, dass der Pkw-Führer nicht gegen das Sichtfahrgebot aus § 3 Abs. 1 S. 3 StVO verstoßen habe. In Fällen, in denen schwer erkennbare Objekte statisch auf der Straße liegen, könne regelmäßig eine Verletzung des Sichtfahrgebots angenommen werden. Ein Passant, der infolge Alkoholkonsums verkehrsuntüchtig ist und nicht nur am Straßenrand geht, deute hingegen typischerweise nicht auf einen Verstoß gegen das Sichtfahrgebot hin. Dem nachfahrenden Kraftfahrzeugführer sei ebenfalls keine Verletzung einer verkehrsrechtlichen Pflicht anzulasten, weshalb letztlich keine Erhöhung der Betriebsgefahr der Fahrzeuge der Beklagten vorliege. Das Benutzen der Fahrbahn im Stadium der Verkehrsuntüchtigkeit infolge Alkoholkonsums seitens des dunkelgekleideten Fußgängers als Verletzung mehrerer Obliegenheiten wiege letzten Endes so schwer, dass die Haftung der Autofahrer, resultierend aus der nicht erhöhten Betriebsgefahr des Kfz, zurücktrete.

Kommt es nachts auf einer nicht beleuchteten Landstraße zu einer Kollision zwischen einem Pkw und einem alkoholisierten Fußgänger, der schlecht sichtbar gekleidet ist und auf der Fahrbahn geht, überwiegt das Verschulden des Fußgängers das des Fahrzeugführers und schließt so etwaige Schadensersatzansprüche aus. Dies gelte unter der Voraussetzung, dass seitens des Autofahrers keine schuldhafte Verletzung einer verkehrsrechtlichen Pflicht vorliegt, die eine Erhöhung der Betriebsgefahr des Pkw bedeute, so das Thüringer Oberlandesgericht.

Im konkreten Fall hatte sich ein derartiger Unfall ereignet. Ein alkoholisierter Fußgänger war auf einer Landstraße von einem Fahrzeug erfasst worden. Er kam zu Fall und es ereignete sich eine weitere Kollision mit dem nachfolgenden Auto. Der verletzte Fußgänger ist bei der Klägerin versichert. Diese verlangte letztlich von den beklagten Autofahrern bzw. dessen Versicherungen Schadensersatz. In erster Instanz hatte das Landgericht der Klägerin den begehrten Anspruch nicht zukommen lassen. Als Begründung führte es an, dass die Kollision für die Kraftfahrzeugführer aufgrund des überraschenden Betretens der Fahrbahn und trotz sofortigen Einleitens einer Vollbremsung und Ausweichens nicht zu vermeiden war. Das Thüringer Oberlandesgericht hat dem Landgericht im Kern zugestimmt und der Klägerin den begehrten Schadensersatzanspruch verwehrt.

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