Ein Service von RSW-Beratung

Zur Zeit wird gefiltert nach: reparaturkosten
Filter zurücksetzen

06.08.2018
14:40

Verantwortlichkeit des Unfallverursachers

Überhöhte Reparaturkosten lassen Übernahmepflicht nicht entfallen

Ein Beitrag von Rechtsanwältin Marina Golücke, Fachanwältin für Verkehrsrecht, und von Fabian Balz, studentische Hilfskraft.

Der Verursacher eines Unfalls haftet dem Geschädigten grundsätzlich auch auf Erstattung der Kosten, die bei der Reparatur des beschädigten Fahrzeugs anfallen. Das Risiko, auch für solche Kosten aufzukommen, die sich als überhöht erweisen, hat der Unfallverursacher zu tragen, so das Amtsgericht München.

In dem, dem Urteil zugrundeliegenden Fall, hatte der Halter eines bei einem Unfall beschädigten Kraftfahrzeugs von der Versicherung des Unfallverursachers Erstattung der für die Reparatur angefallenen Kosten verlangt. Letztgenannte erklärte sich jedoch nicht bereit, den gesamten Betrag zu übernehmen, die Kosten also nur zu einem gewissen Teil zu erstatten. Aus Sicht der Versicherung seien die seitens des Kfz-Betriebs erhobenen Kosten überhöht und somit nicht zu erstatten. Dabei führte die Versicherungsgesellschaft mehrere Rechnungsposten an, die in nicht nachvollziehbarer Weise angefallen seien, ohne dass derartige Reparaturen erforderlich gewesen wären. Der Fahrzeughalter verlangte hingegen Ersatz aller Reparaturkosten, die die Kfz-Werkstatt gegenüber ihm geltend gemacht hat.

Die Klage des Kfz-Halters hatte Erfolg vor dem Amtsgericht München. Es bestünde die Pflicht der Versicherungsgesellschaft, die dem Fahrzeughalter in Rechnung gestellten Reparaturkosten zu tragen. Dies in vollem Umfang, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass der Geschädigte ihr sämtliche Ansprüche abtritt, die er selbst gegenüber dem Reparateur wegen fehlerhafter Kostenermittlung möglicherweise geltend machen kann. Nach Ansicht des Gerichts falle das sogenannte Werkstattrisiko, also die Gefahr, auch überhöhte Instandsetzungskosten übernehmen zu müssen, in den Verantwortungsbereich des Unfallverursachers. Grund hierfür sei, dass jener auch dann für überhöhte Reparaturkosten hätte einstehen müssen, wenn er selbst die Schadensbeseitigung übernommen hätte.

Von einem Geschädigten, der sein Fahrzeug in einer Kfz-Werkstatt reparieren lässt könne grundsätzlich durchaus erwartet werden, dass dieser auf eindeutig erkennbare und grobe Unregelmäßigkeiten hinsichtlich überhöhter Kosten reagiere, indem er diese umgehend rügt. Bei der Instandsetzung eines Unfallwagens bestehe diese Pflicht zur Schadensminderung jedoch nur begrenzt. Insbesondere dann, wenn eine professionelle Kfz-Werkstatt mit der Instandsetzung des Wagens beauftragt wird, könne man nur von einer eingeschränkten Schadensminderungspflicht des Geschädigten sprechen.

Nach oben

Zurück

Erstattungsfähigkeit von Reparaturkosten

Welche Werkstatt darf es sein?

Kommt es bei einem Verkehrsunfall zu einer Beschädigung eines Autos, ist klar: Der Schädiger muss den Schaden übernehmen. Nicht so eindeutig ist für Viele allerdings, in welcher Höhe der Schädiger die Kosten tragen muss. Es gilt der Grundsatz, dass der Geschädigte die Kosten einfordern darf, die nötig sind, um den Zustand des Pkws von vor dem Unfall wiederherzustellen. Allerdings gilt auch das Gebot, dass sich der Geschädigte im Rahmen des ihm Zumutbaren für den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbeseitigung zu entscheiden hat. 

Ein Beispiel: 

Der Geschädigte hat seinen Pkw bei einer markengebundenen Fachwerkstatt zur Begutachtung des Schadens abgegeben. Der Sachverständige dieser Werkstatt legt dementsprechend der Kalkulation der Kosten für die Schadensbehebung die Stundensätze dieser Werkstatt zugrunde. Die Haftpflichtversicherung des Schädigers dagegen holt den Kostenvoranschlag bei einer anderen Werkstatt ein. Üblicherweise erfolgt dies bei einer freien Werkstatt, die regelmäßig geringere Stundensätze  berechnet als eine Vertragswerkstatt. Nun weigert sich die Versicherung der Zahlungsforderung des Geschädigten nachzukommen mit dem Verweis auf ihren günstigeren Kostenvoranschlag. 

Fragen und Antworten:

Unter welchen Umständen muss sich der Geschädigte mit der geringen Summe, die ihm zur Schadensbehebung zur Verfügung gestellt werden soll, zufrieden geben oder muss er das überhaupt?

1. Nein, der Geschädigte muss sich nicht zu einer nicht markengebundenen Fachwerkstatt verweisen lassen, wenn sein Pkw nicht älter als drei Jahre ist. Denn sonst könnte es zu Problemen mit der späteren Geltendmachung von Gewährleistungsrechten, Herstellergarantie oder Kulanzleistungen kommen.

Wenn es doch älter als drei Jahre ist, dann darf er sich trotzdem auf den teureren Kostenvoranschlag stützen, wenn sein Auto bisher immer in einer Markenwerkstatt gewartet oder repariert wurde („scheckheftgepflegt“). Andernfalls könnte bei einem späteren Verkauf der Kaufpreis negativ beeinflusst werden. 

2. Nein, der Geschädigte muss sich nicht zu einer nicht markengebundenen Fachwerkstatt verweisen lassen, wenn die Reparatur dort nicht technisch gleichwertig ist. Hat der Geschädigte das einmal nachvollziehbar behauptet, muss der Schädiger beweisen und darlegen, dass sie doch gleichwertig ist.

Selbst wenn die freie Werkstatt den Unfallwagen technisch gleichwertig reparieren könnte, darf sich der Geschädigte doch an die Markenwerkstatt wenden, wenn es ihm unzumutbar ist, die günstigere und gleichwertige Werkstatt zu wählen. Eine Unzumutbarkeit kann zum Beispiel angenommen werden, wenn die Markenwerkstatt viel näher am Wohnort des Geschädigten liegt. Eine konkrete Unzumutbarkeit hat wiederum der Geschädigte darzulegen.

Im Übrigen kann der Geschädigte die zur Reparatur nötige Summe auch dann verlangen, wenn er seinen Wagen gar nicht reparieren lässt und damit weiterfährt oder wenn er ihn weiterverkauft. Für diesen Fall gelten die gleichen Grundsätze wie oben, wann welcher Kostenvoranschlag der Forderung zugrunde gelegt wird. Also können auch hier grundsätzlich die Kosten für die teurere Werkstatt verlangt werden. Auf der anderen Seite kann es natürlich auch mal dazu kommen, dass bei einer tatsächlich vorgenommenen Reparatur die veranschlagten Kosten unterschritten werden. Dann wird auch der Ersatz auf diese tatsächliche Summe reduziert. 

Nach oben

Zurück